Die Geschichte der Nonogramme
Nonogramme verstecken seit fast vierzig Jahren still und leise Bilder in Zahlenrastern. Was Ende der 1980er als zwei voneinander unabhängige japanische Erfindungen begann, wuchs zu einer weltweiten Rätselwelle heran — getragen zuerst von Zeitungen, dann von Nintendos Game Boy und heute von Apps und Websites wie dieser. Hier steht, woher das Rätsel kommt, wie es zu seinem ungewöhnlichen Namen kam und warum dasselbe Raster rund um die Welt ein Dutzend verschiedene Namen trägt.
Zwei Erfinder, ein Rätsel (Japan, 1980er)
Das Nonogramm wurde praktisch zweimal fast im selben Moment erfunden — von zwei Menschen, die nicht wussten, dass sie derselben Idee nachgingen. 1987 gewann eine japanische Grafikredakteurin namens Non Ishida einen Wettbewerb in Tokio, indem sie Bilder an einer Gebäudefassade schuf: Sie schaltete die Fenster eines Hochhauses an und aus, sodass die erleuchteten Quadrate auf einem Raster ein Bild ergaben. Dieses Raster aus hellen und dunklen Quadraten wurde zum Keim des Rätsels.
Etwa zur gleichen Zeit kam ein professioneller japanischer Rätselentwickler, Tetsuya Nishio, unabhängig auf genau dasselbe Konzept und veröffentlichte seine eigene Version in einer anderen Zeitschrift. Beide gelten als Erfinder. 1988 veröffentlichte Ishida in Japan drei Serien dieser Rasterbild-Rätsel unter dem Namen Window Art Puzzles — eine direkte Anspielung auf ihren Ursprung an den Fenstern eines Tokioter Gebäudes.
Wie das Rätsel zum Namen „Nonogramm” kam
Das Wort Nonogramm ist überhaupt nicht japanisch — es wurde in Großbritannien geprägt. Ishida zeigte die Rätsel James Dalgety, einem bekannten britischen Rätselsammler, der von ihnen begeistert war und half, sie einem größeren Publikum nahezubringen. Dalgety bildete den Namen aus dem ihrer Schöpferin: Non, von Non Ishida, plus -gram, von diagram (Diagramm).
1990 sorgte Dalgety dafür, dass The Sunday Telegraph die Rätsel wöchentlich abdruckte, und sie kamen bei den britischen Lesern groß heraus. Das erste Buch, das ausschließlich Nonogrammen gewidmet war, folgte 1993 in Japan. Der Name setzte sich allerdings nie ganz durch: 1998 veranstaltete The Sunday Telegraph sogar einen Wettbewerb zur Umbenennung, und Griddlers gewann — deshalb ist dieser Begriff in britischen Rätselbüchern bis heute verbreitet.
Ein Raster, ein Dutzend Namen
Als sich das Rätsel ausbreitete — nach Schweden, in die USA (zuerst über das Games magazine), nach Südafrika und darüber hinaus — gab ihm fast jeder Verlag einen anderen Namen. Man findet exakt dasselbe Rätsel als Hanjie, Griddlers, Pic-a-Pix, Paint by Numbers, japanische Kreuzworträtsel und, am bekanntesten, Picross. Die Regeln ändern sich nie; nur die Aufschrift auf der Packung.
Falls du dich je gefragt hast, ob Picross und Nonogramme wirklich verschiedene Rätsel sind: sind sie nicht — jeden Namen und seine Herkunft erklären wir in einem eigenen Leitfaden: Picross vs. Nonogramm: alle Namen erklärt.
Picross und die Videospiel-Ära
Der Name, den Spielende heute am ehesten kennen, stammt von einer Konsole. 1995 veröffentlichte Nintendo in Japan Mario's Picross für den Game Boy — Picross ist die Kurzform von picture crossword, also Bilderkreuzworträtsel. Im Westen verkaufte es sich zunächst nur mäßig, doch Nintendo machte weiter, und die Picross-Reihe trug das Rätsel über Game Boy, DS, 3DS und Switch zu einem weltweiten Spielepublikum.
Für eine ganze Spielergeneration wird ein Nonogramm immer ein Picross bleiben — kennengelernt nicht in einer Zeitung, sondern auf dem Bildschirm einer Handheld-Konsole. Das ist der wichtigste Grund, warum das Rätsel heute so weit verbreitet bekannt ist.
Nonogramme heute
Das Rätsel, das mit Hochhauslichtern begann, ist heute überwiegend digital. Websites und Apps erzeugen auf Abruf frische Raster, prüfen unterwegs deine Logik und lassen dich jede Größe spielen — vom schnellen 5×5 bis zum ausladenden 20×20 —, doch der Kern hat sich nie geändert: kein Raten, nur Deduktion aus den Zahlen entlang jeder Zeile und Spalte.
Dieser deduktive Kern reicht so tief, dass Informatiker ihn formal untersucht haben — das Lösen beliebiger Nonogramme ist im allgemeinen Fall ein NP-vollständiges Problem. Trotzdem ist ein gut gebautes Rätsel immer allein mit Logik lösbar, und genau das hält das Format fast vier Jahrzehnte nach jenen ersten erleuchteten Fenstern in Tokio am Leben.
Neugierig, wie ein Rätsel beweisbar schwer und trotzdem fair von Hand lösbar sein kann? Unser Leitfaden zur Schwierigkeit geht weiter: Was ein Nonogramm schwer macht.
Häufig gestellte Fragen
Wer hat Nonogramme erfunden?
Zwei Menschen, unabhängig voneinander, im Japan der 1980er: Non Ishida, eine Grafikredakteurin, die als Erste Rasterbilder aus den erleuchteten Fenstern eines Tokioter Gebäudes formte, und Tetsuya Nishio, ein professioneller Rätselentwickler, der dieselbe Idee getrennt davon entwickelte. Beide gelten als Erfinder.
Warum heißen sie Nonogramme?
Den Namen prägte der britische Rätselsammler James Dalgety, indem er Non von der Erfinderin Non Ishida mit -gram von diagram (Diagramm) verband. Er setzte sich durch, nachdem The Sunday Telegraph 1990 begann, die Rätsel wöchentlich zu veröffentlichen.
Sind Nonogramme und Picross dasselbe?
Ja. Picross — kurz für picture crossword — ist einfach Nintendos Name für das Rätsel, populär geworden durch die langlebige Videospielreihe. Die Regeln sind identisch mit denen jedes Nonogramms, Griddlers oder Hanjie.
